Unter diesem Titel stand der gestrige Abendmahlsgottesdienst in Friedensau zu Lukas 22,15 – der zugleich der letzte meiner hauptberuflichen Laufbahn als Pastor war. „Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt,“ sagt Jesus hier wörtlich. Und dieses Sehnen kenne ich.
Nein, es ist nicht die Sehnsucht, dass endlich die Rente erreicht würde, die Sehnsucht nach einem besonderen Fest, sondern viel mehr die Sehnsucht nach Gemeinschaft mit den Menschen, die Bedeutung in meinem Leben hatten und haben. Tatsächlich waren auch Wegbegleiter aus längst vergangenen Zeiten im Gottesdienst anwesend, weil an diesem Wochenende eine Tagung der Lebensschule in Friedensau stattfand. Eine riesige, sehr schöne Überraschung für mich. Und ja, ich hatte auch ein paar Menschen eingeladen, denen ich sehr gerne Brot und Wein gereicht hätte. Meine Gedanken waren auch bei manchen Menschen, die nicht da waren, nicht da sein konnten, oder die ich eben nicht mit dem Evangelium erreicht habe.
Zu dem Gottesdienst gehörte ganz viel berührende Musik von Familie Krugel und Freunden, die die Sehnsucht in Klänge und tiefe Emotionen übersetzte. Welch eine Kraft Töne haben können, zeigte sich auch in der Kindergeschichte: Mit nur zwei Tönen (c & a) auf einer pentatonischen Flöte vermochte Claudia die Sehnsucht nach Frühling zu wecken. Lesungen und Übersetzung von Stefan Burton-Schnüll, dem Friedensauer Pastor, ließen mich seinen wunderbaren britischen Akzent genießen.
Wichtig aber war mir, dass die Botschaft herüberkam. Jesus hat Sehnsucht nach uns – egal ob wir ein impulsiver Petrus, ein Lieblingsmensch wie Johannes, ein Donnerskind wie Jakobus, ein Skeptiker wie Thomas, ein leise im Hintergrund agierender Andreas (nach ihm wurde ich benannt) sind: er liebt uns – in unserer Vielfalt und Unterschiedlichkeit … immer wieder, bis zum Schluss.