Blog

Einmal Geistlicher, immer Geistlicher? Als Papst Benedikt XVI „emeritierte“, kam der verwunderte Aufschrei: „geht das überhaupt?“

Papst Benedict XVINatürlich kennen wir Aussteiger aus dem geistlichen Dienst. Schon in der Bibel vermeldet Paulus von seinem Mitarbeiter im geistlichen Dienst: „Denn Demas hat mich verlassen und diese Welt liebgewonnen und ist nach Thessalonich gezogen…“ (2. Tim. 4,10) Es gibt viele Gründe, warum Menschen ihr geistliches Amt niederlegen – angefangen bei Glaubenszweifeln, über persönliche Verfehlungen, bis hin zu Ermüdung und Erschöpfung … oder aber schlicht aus finanziellen Beweggründen.

Wie aber steht es um eine Veränderung der Berufung? Meiner Berufung zum Pastor bin ich mir seit dem 14. Lebensjahr sicher, habe aber über die Jahre nicht nur im Gemeindedienst gearbeitet, sondern als Krankenhausseelsorger, als Beratungsstellenleiter, als Hochschullehrer (noch immer aktuell). In all dem bin ich meiner Berufung, so bin ich überzeugt, treu geblieben und habe meine pastorale Beglaubigung seit 1981 ohne Unterbrechung beibehalten.

Claudia hat es noch krasser erlebt. Als Diakonisse hat sie bei ihrer Einsegnung (in der katholischen Kirche sprechen wir hier von Profess), das Versprechen (entsprechend der drei Evangelischen Räte) lebenslanger Zugehörigkeit zu ihrer Schwesternschaft abgelegt, einschließlich Ehelosigkeit, Verzicht auf eigene Besitztümer und gehorsamer Dienstbereitschaft. Es lässt sich leicht vorstellen, dass ein Ausstieg aus der Schwesternschaft – zwar wohl überlegt, aber dennoch schwierig war (übrigens … das war Jahre bevor wir uns kennenlernten).

Kann sich geistliche Berufung so sehr wandeln?

Wir glauben: ja!

Doch ehe man uns vorwirft, das sagten wir nur im eigenen Interesse, um unsere beruflichen Veränderungen zu rechtfertigen, ist doch sogleich zu ergänzen: all zu leicht dürfen wir es uns hier auch nicht machen. Ein paar Punkte zum Nachdenken:

  • Ich kann meiner Berufung untreu werden und dann behaupten, sie habe sich eben geändert. Das ist keine Änderung der Berufung, sondern eine Änderung meiner Haltung zu der Berufung.
  • Viel hängt von meinem Verständnis von Berufung ab. Als Christ bin ich in die Nachfolge gerufen – und diese Berufung ist wohl unwandelbar. Wie sich die Nachfolge gestaltet, kann sich allerdings ändern.
  • Berufung gibt es aber auch für bestimmte „Projekte“, wie wir es heute nennen würden. Das wird z.B. in Apg. 13, 1-3 deutlich, dem Auftakt zur ersten Missionsreise des Paulus (gemeinsam mit Barnabas).

Warum wir über solche Fragen nachdenken? Ich selbst stehe zwei Jahre vor meinem Renteneintritt. Claudia erlebt, wie sich die Demografie ihrer Gemeinde verändert. Beides hat Wandel, Veränderung zur Folge. Wie und in welcher Weise … das ist uns gerade ein Rätsel. Neben dem Gebet um Kraft, Liebe und Besonnenheit (2. Tim. 1,7 – unserem Trautext) ist nun auch das Wort „Weise mir Herr deinen Weg.“ (Ps. 86,11 ) unser tägliches Gebet, um unserem Wandel der Berufung gerecht zu werden.

 

Nachklapp: Die Gebetsoase will auch der Ort sein, in dem Menschen über ihre Berufung nachdenken und reden können, Möglichkeiten gemeinsam ausloten dürfen. Deshalb gehört auch zu unseren Überlegungen zum aktuellen Wandel unserer Berufung, wie sich genau das konkretisieren lässt … wir haben den Eindruck, ein „virtueller Raum“ reicht hier womöglich nicht aus. Für diesen aktuellen Prozess des Nachdenkens und Ringens wünschen wir uns Fürbitte und Unterstützung.