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Be a missionary every day”, dieses kurze Lied von Doris M. Steinhart fällt mir spontan ein, als ich diesen Blog schreiben will.

Als Jugendliche habe ich Text und Melodie kennengelernt und ich weiß nicht, wie oft gesungen. Damals war er eine Ermutigung für mich in zweierlei Richtungen: zum einen örtlich, denn das Lied macht deutlich, egal wo Du bist – an jedem Ort kannst du von Jesus erzählen. Und zum anderen zeitlich, denn das Lied betont das Heute. Damals bewegte mich die Frage nach meinem Beruf, meiner Berufung, und manches mal dachte ich daran Missionarin zu werden, doch viel wichtiger wurde mir damals mitten im Alltag mit den Menschen über Jesus ins Gespräch zu kommen. Dabei dachte ich nicht an die großen Veranstaltungen oder Gruppen, aber an das selbstverständliche Leben meines Glaubens und Redens über Jesus.

Mittlerweile bin ich Pastorin und gehört das Reden über Jesus zu meinem Beruf. Ob in ziviler Kleidung oder Diakonissentracht, ob in Kleinstädten, Dörfern oder Ballungszentren und Großstädten, es gab schon viele Gelegenheiten mit Menschen über Jesus ins Gespräch zu kommen und meinen Glauben mit und ohne Worte zur Sprache zu bringen. Gleichzeitig merke ich, dass es immer neu die Frage ist, wie wir Wege zu den Menschen finden, wie wir im Alltag ins Gespräch kommen. Und was bitte ist als Pastorin Alltag?

Heute Abend hatten wir eine Besprechung über unsere Gottesdienste. Dabei war mal wieder die Frage nach Zeit und Ort Thema, aber auch die Form der Predigt. Könnte, müsste, sollte es nicht lockerer sein? Welches Format spricht Menschen heute an? Und im Gespräch von nur sechs Leuten wurde schon deutlich, wie unterschiedlich Bedürfnisse und Vorlieben sind, wenn wir über Gottesdienst und Verkündigung reden. Und ehrlich muss ich gestehen, manches was heute zum klassischen Gottesdienst unserer Gemeinde gehört, könnte ich mir selbst anders vorstellen und denken. Aber die Gestaltung liegt ja auch immer an der Gruppendynamik, die da ist und den Menschen, die zusammenkommen. Gottesdienst ist immer Interaktion, wie aktiv oder passiv die Anwesenden auch sind.

Als Musiktherapeutin spreche ich zunehmend nicht allein von Interaktion, sondern auch von Resonanz. Ob der Resonanz in der Gruppe, zwischen Einzelnen und auch in der Begegnung mit Gott. In Resonanz – beten, ist auch ein Aspekt, der meine Spiritualität prägt. Ob im Hören, Reden oder Handeln. Was klingt in mir an? Was darf mich berühren? Welche Worte, Gedanken, Gesten, Klänge resonieren in mir? Wie wirken Orte, Menschen, Handlungen auf mich und laden mich ein darauf zu antworten?

Denke ich heute Abend an Berufung, stellt sich für mich nicht zunächst die Frage, wer ich bin, was ich tun sollte oder kann, sondern wer und was mich ruft. Wo sind die Orte, Menschen, Anliegen, die mich herausfordern mich einzubringen? Welche Seiten kommen in mir zum Klingen in der Begegnung, locken mich heraus?

Heißt Berufung vielleicht gelockt zu sein? Hinter dem Ofen herausgeholt zu sein: durch wen und was auch immer? Da gibt es jemanden – oder ein Anliegen – das mich lockt mich zu entfalten. Dass was in mir steckt nach außen zu bringen: ob Gaben oder Themen, Ideen oder Gedanken. Ja, ich würde auch so weit gehen zu sagen, dass ich meinen Glauben dort hinaustrage, wo Menschen mich locken, weil wir menschlich auf einer Wellenlänge liegen, Interesse wecken, einander Anteil geben oder zusammen unterwegs sind durchs Leben. Das, was da für mich Voraussetzung ist: hinsehen, hinhören, mich ansprechen und berühren lassen, um dann hinzugehen … und mich hinzugeben, in den Dienst an Menschen und für Gott. Erst auf Empfang, dann auf Sendung.